Gleiche Rechte für ALLE – das fordert die Bundesarbeitsgemeinschaft Täterarbeit Häusliche Gewalt e.V. (BAG TäHG) anlässlich des Internationalen Frauentags am 8. März 2026. Denn trotz sichtbarer Fortschritte und erkämpften Rechten gibt es auch 115 Jahre nach dem ersten Weltfrauentag nach wie vor kein Land auf dieser Welt, in dem die Gleichberechtigung und Gleichstellung aller Geschlechter verwirklicht ist.[1]Frauen und TIN*-Personen werden weiterhin aufgrund ihres Geschlechts benachteiligt, diskriminiert, angegriffen und getötet. Die Gewalt ist keine Ansammlung von Einzelfällen – sie ist Ausdruck eines globalen patriarchalen Systems, das systematisch Frauen und TIN*-Personen in ihren Menschenrechten verletzt und die (Geschlechter-)Ordnung manifestiert.
Die Gewalt ist allgegenwärtig, trifft aber nicht alle Betroffenen auf gleiche Weise. Gesellschaftliche Machtverhältnisse und weitere Diskriminierungserfahrungen beeinflussen, wie Gewalt erlebt wird und welchen Zugang Personen zu Unterstützung und Schutz bekommen. So zeigt die kürzlich erschienene Dunkelfeldstudie nicht nur, dass insbesondere Frauen von schwerer Gewalt betroffen sind und die Gewalt gegen Frauen in den meisten Fällen von Männern ausgeht. Die Ergebnisse bestätigen darüber hinaus, dass junge Frauen, Frauen mit Migrationshintergrund und queere Menschen in besonderem Maß von Gewalt betroffen sind.[2]Andere Untersuchungen belegen, dass Frauen mit Behinderung deutlich häufiger Gewalt erleben als Frauen im Bevölkerungsdurchschnitt.[3]Auch Armut, Wohnungslosigkeit oder ein ungesicherter Aufenthaltsstatus bedeuten eine zusätzliche Gefährdung.
Die Erkenntnis, dass geschlechtsbasierte Gewalt intersektional mit anderen Formen der Diskriminierung verbunden ist und dadurch bestimmte Gruppen besonders betroffen sind, ist nicht neu. Dennoch werden ausgerechnet diese Menschen weiterhin strukturell von bestehenden Unterstützungsangeboten ausgeschlossen und ihr Schutz bei Vorhaben wie dem Gewalthilfegesetz hintenangestellt. Darüber hinaus führen Maßnahmen wie die EU-weite Asylrechtsreform, die geplante Bürgergeld-Reform oder Kürzungen in der (queeren) Bildungsarbeit zu einer weiteren Verschärfung der Lage. Dass der Staat und wir als Gesellschaft gerade die vulnerabelsten Personengruppen allein lassen und zur Manifestierung ihrer Benachteiligung beitragen, dürfen wir nicht akzeptieren.
Es darf nicht überraschen, dass reaktionäre Gegenbewegungen versuchen, sicher geglaubte Rechte anzugreifen und mit weiterer Gewalt auf erkämpfte Fortschritte zu reagieren. Doch gerade dann braucht es starke Bündnisse und eine Politik, die konsequent gegen menschenfeindliche wie antifeministische Angriffe vorgeht und die Gleichstellung ALLER Geschlechter umfassend vorantreibt. Deshalb fordern wir anlässlich des Internationalen Frauentags einen Kurswechsel. Die Perspektiven von (mehrfach-)diskriminierten Personen müssen endlich ernst genommen und die Grundlage künftiger Maßnahmen darstellen. Wir brauchen keine weitere Diskriminierung, sondern den Abbau von Benachteiligung und barrierefreie Zugänge ins Unterstützungssystem. Wir brauchen keine weitere Symptombekämpfung, sondern eine umfassende Ursachenbearbeitung. Wir brauchen keine weiteren Kürzungen, sondern einen Ausbau der Bildungs- und Präventionsarbeit. Gleichstellungspolitik muss ganzheitlich gedacht und umgesetzt werden. Und zwar jetzt! Denn ohne Gleichstellung keine Demokratie, und ohne Demokratie keine Gleichstellung.
[1] https://reports.weforum.org/docs/WEF_GGGR_2025.pdf (aufgerufen am 25.02.2026).
[2]https://www.bka.de/DE/UnsereAufgaben/Forschung/ForschungsprojekteUndErgebnisse/Dunkelfeldforschung/LeSuBiA/Ergebnisse_Publikationen/ergebnisse_node.html (aufgerufen am 25.02.2026).
[3] https://www.bmbfsfj.bund.de/resource/blob/94206/1d3b0c4c545bfb04e28c1378141db65a/lebenssituation-und-belastungen-von-frauen-mit-behinderungen-langfassung-ergebnisse-der-quantitativen-befragung-data.pdf (aufgerufen am 25.02.2026).
