Die LeSuBiA-Studie („Lebenssituation, Sicherheit und Belastung im Alltag“) ist eine geschlechterübergreifende Bevölkerungsbefragung zur Gewaltbetroffenheit in Deutschland als gemeinsames Projekt von BMBFSFJ, BMI und BKA und die erste große deutsche Studie nach der Prävalenzstudie des BMFSFJ von 2004. Neu ist, dass sie als repräsentative geschlechtervergleichende Prävalenzstudie Männer und Frauen einbezieht und sich auf Partnerschaftsgewalt sowie sexualisierte und digitale Gewaltformen konzentriert (andere Gewaltkontexte, etwa körperliche und psychische Gewalt im öffentlichen Raum und in der Arbeitswelt, wurden nicht einbezogen). Zentrale Hoffnungen der Fachpraxis waren, Entwicklungen von Gewalt gegen Frauen im zeitlichen Verlauf nachzeichnen zu können und weitere Grundlagen für die Umsetzung der Istanbul-Konvention zu schaffen.
Diese Erwartungen konnte die Studie jedoch bislang nur eingeschränkt erfüllen. Ihr fehlt der Fokus auf Gewalt gegen Frauen im Geschlechterverhältnis, ihr gesellschaftlicher Hintergrund und die strukturelle Einbettung von geschlechtsbezogener Gewalt. Dieser Fokus ist von entscheidender Bedeutung, um angemessene politische Maßnahmen und Präventionsstrategien zu entwickeln. Aus diesem Grund sind die von LeSuBiA erhobenen Daten unbedingt durch weitere Analysen und qualitative Studien zu ergänzen, die z.B. Muster von Gewalt-Dynamiken und ihre Entstehungsbedingungen erfassen.
